Zum Inhalt springen

Der Tiroler Maler Mathias Schmid zwischen Heimatkunst und populärer Kultur

Tagung, Ischgl.

Der Maler Mathias Schmid (1835–1923) zählt zu den beinahe vergessenen Künstlern der akademischen Genremalerei. Wie sein Freund und Zeitgenosse Franz von Defregger war Schmid um 1900 weit über seine Heimat Tirol und den süddeutschen Raum hinaus bekannt. Als Vertreter der sogenannten „Münchner Schule“ pflegte er einen Malstil, der sich durch „Volkstümlichkeit“ auszeichnete und das Leben der Tiroler Bevölkerung nach damaligem Ermessen realistisch ins Bild setzte. Anders als Defregger, der aufgrund seiner Szenen aus dem Tiroler Freiheitskampf ideologisch vereinnahmt werden konnte, zeigte sich Schmid an einer politisch ausdeutbaren Historienmalerei kaum interessiert. Der Impetus lag eher auf sozialkritischen Themen. In Bildern wie „Die Karrenzieher“ oder „Die Vertreibung der Zillertaler Protestanten“ nahm Schmid eine unverhohlen kritische Haltung gegenüber dem katholischen Klerus seiner Zeit ein. Populär wurde er allerdings durch seine Sittenbilder des Tiroler Volkslebens, die als Reproduktionsdrucke durch den Verlag Franz Hanfstaengl oder die Münchner Photographische Union vermarktet und in Familienzeitschriften wie der „Gartenlaube“ oder „Über Land und Meer“ weite Verbreitung fanden. Der Workshop hat sich vorgenommen, Schmids künstlerische Tätigkeit im größeren Zusammenhang der Kunst-, Sozial- und Mediengeschichte des späten 19. Jahrhunderts neu zu bewerten und dabei formalistische Kanonisierungsprozesse kritisch zu hinterfragen, die dazu führten, daß die akademische Malerei nach 1900 der Kunstgeschichte als Thema abhanden kam.

Workshop des Lehrstuhls für Kunstgeschichte der Universität Siegen und der Abteilung Ältere Kunstgeschichtliche Sammlungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, Innsbruck in Kooperation mit dem Mathias Schmid Museum, Ischgl.

Hier das Programm der Tagung.