Kurien
Kurie Museen, Ausstellungswesen und Sammlungen
Die Kurie Museen des Verbandes österreichischer Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker sieht sich als Nahtstelle zwischen den zeitgenössischen KünstlerInnen, der Kunst vergangener Epochen und der Gesellschaft. Es ist uns ein Anliegen, relevante Informationen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben, zu fokussieren und eine Präsentations- und Diskussionsplattform dafür zu bieten.
Die Auseinandersetzung mit kunsthistorisch bedeutsamen Museumsausstellungen, Vorträgen, Veranstaltungen, Literatur etc. zählt dazu. Die Kurie Museen soll darüber hinaus eine Plattform sein, um allfällige Probleme und Missstände, die den Museumsalltag betreffen, aufzuzeigen.
Alle Aktivitäten eines Museums stehen im Zusammenhang mit der Öffentlichkeit. Es erhebt sich daher die Frage, was die Aufgabe zeitgenössischer Museen ist? Werden sie als moderne Informationseinheiten betrachtet, die hervorragend dazu geeignet sind, durch ihre wertvollen Sammlungen die Identität von Städten und Ländern zu fördern?
Ein aktueller Konflikt vieler Museen äußert sich im Zwiespalt der Dominanz von sogenannten Wechselausstellungen zulasten der Präsentation eigener Sammlungsbestände. Erstere werden in rascher Abfolge dem Museumspublikum angeboten, für den Ankauf, die Betreuung und Ausstellung der eigenen Sammlung bleibt zumeist nur wenig Zeit.
Die häufig wechselnden Sonderausstellungen dienen u. a. dazu, dem auferlegten Quotendruck eingeforderter Besucherzahlen standzuhalten. Die wertvolle Sammlung, Kern des Museums, und ursprünglicher Impuls seiner Gründung, bleibt hingegen immer mehr in den Depots, zu denen die Öffentlichkeit keinen Zutritt hat, verborgen.
Fungiert nun der museumseigene Bestand an Kunstwerken als Rückgrat dieser Institution oder als deren Ballast, den sie ständig betreuen muss, dessen Präsentation jedoch in nur sehr beschränktem Ausmaß eingelöst werden kann?
Welchen Einfluss haben über all diese Überlegungen hinaus SammlerInnen und KunsthändlerInnen auf Museen, die ihre Exponate den Institutionen als Dauerleihgaben oder Schenkungen zur Bewahrung, Erforschung, Bekanntmachung, Wertsteigerung und Ausstellung überlassen? Sind Dauerleihgaben oder Schenkungen an ein Museum als ein Glücksfall für die jeweilige Institution zu betrachten oder eher als eine Belastung? Museen müssen oft sehr stark auf die Interessen der SammlerInnen eingehen, was viele Verpflichtungen und Zwänge nach sich ziehen kann.
Wie verhält es sich mit der Autonomie von Museen, was ihre finanzielle Situation anbelangt? Die Wahrnehmung von Sponsorgeldern im Sinne einer finanziellen Aufbesserung des Etats eines Museums ist nicht selten an Eingriffe in inhaltliche Belange der Ausstellungsprogramme gebunden.
Museen tragen durch ihre Sammlungs- und Ausstellungspolitik bedeutsam dazu bei, die Kunstgeschichte weiterzuschreiben und nachhaltig mitzudefinieren. Es ist daher von großer Bedeutung, dass KunsthistorikerInnen in diese Kernkompetenzen maßgeblich involviert bleiben.
Vorstandsmitglieder:
Veronika Pirker-Aurenhammer
Markus Kristan
Kurie freie Berufe und andere Tätigkeitsfelder
Wie alle Absolventen und Absolventinnen von kultur- und geisteswissenschaftlichen Studiengängen sind auch jene der Kunstgeschichte zunehmend mit freiberuflichen Arbeitsverhältnissen konfrontiert. Besonders in der Zeit kurz nach Studienabschluss müssen sich KunsthistorikerInnen oft mit schlechter Bezahlung und prekären Arbeits- und Lebenssituationen zufrieden geben. Nicht selten kommt es vor, dass etwa Galerien nur die Hälfte der Arbeitszeit offiziell bezahlen, Absolventen erst einmal mit „Praktika“ abgekanzelt werden oder unerlaubte Kettenverträge über Jahre aneinandergereiht werden. Gleichzeitig passieren durchaus reizvolle, motivierende Veränderungen: Die Berufsfelder von Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern weiten sich zunehmend aus. Wies die Biografie nach dem Studium der Kunstgeschichte vor wenigen Jahrzehnten zumeist eindeutig in Richtung Universität, Museum oder Denkmalpflege, so steht heute eine Vielzahl von Möglichkeiten offen, sei es in der freien, mittels Stipendien oder anderer Einnahmequellen finanzierten Forschung, im Journalismus, in der Nachlassverwaltung, in der Versicherungsbranche, im Kunsthandel – oder aber in gänzlich anderen Branchen wie etwa der PR- oder Werbeindustrie.
Als Vorsitzende der Kurie der freien Berufe und anderer Tätigkeitsfelder möchten wir die Chancen und Risiken freiberuflicher Arbeit, die Kontakt- bzw. Reibungsflächen zwischen institutioneller und „freier“ Forschung, aber auch die innovativen Potenziale „freier“ Wissenschaft diskutieren. Zudem wollen wir freiberuflich arbeitende Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützen, ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren – und schon jetzt auf die Tagung 2013 hinweisen, bei der sich dafür Gelegenheiten ergeben werden.
Die meisten freiberuflichen Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker arbeiten als Ein-Personen-Unternehmen – als Ich-AG. Zur Diskussion stehen daher individuelle Freiheiten und Flexibilität sowie die Möglichkeit zum eigenständigen Arbeiten, und die Schwierigkeiten eines häufig diskontinuierlichen Einkommens einerseits, die meist prekären Verhältnisse und die (bisweilen ungeliebte) Notwendigkeit, die eigenen Leistungen zu vermarkten andererseits.
Mehr denn je ist es notwendig, ein Netzwerk von Kollegen und Kolleginnen aufzubauen, das ebenso zum Erfahrungsaustausch wie zur wechselseitigen Vermittlung von Informationen und/oder Aufträgen dient. Das auf der Website des Verbands abrufbare Mitgliederverzeichnis bietet die Möglichkeit zur informellen Kontaktaufnahme.
Als freiberufliche KunsthistorikerInnen sind wir zudem in steuerlicher und sozialrechtlicher Hinsicht auf uns alleine gestellt. Als Kurienvertreterinnen im Vorstand sind wir gerne bereit, entsprechende Fragen zu praktischen Themen zu beantworten – oder gegebenenfalls an die zuständigen Stellen zu verweisen. Auch für Anregung und Kritik sind wir jederzeit offen. Wir freuen uns auf zwei produktive und kommunikationsintensive Vorstandsjahre.
Vorstandsmitglieder:
Nina Schedlmayer
Dieter Bogner
Kurie Denkmalpflege
Die Kurie Denkmalpflege sieht sich innerhalb des Verbandes der österreichischen Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker als Informationsdrehscheibe zu den Schwerpunkten Denkmalforschung, Denkmalschutz und Denkmalpflege, wobei die Reihung der Themenbereiche die übliche Arbeitsabfolge und keine Gewichtung zum Ausdruck bringen soll. Mit der Vermittlung von themenbezogenem Basiswissen und gleichermaßen von aktuellen Informationen sowie der Erörterung von denkmalpflegerischen Fragen und Problemen wollen wir zur Meinungsbildung und zum Dialog im Kreis der Kolleginnen und Kollegen und in der interessierten Öffentlichkeit im In- und Ausland beitragen.
Der breit gefächerte Aufgabenbereich des Bundesdenkmalamtes, der im neuen Statut vom 6. September 2011 mit den Kernkompetenzen Schützen, Forschen, Pflegen und Vermitteln dargestellt wird, soll in allen Aspekten präsentiert werden. Die Bandbreite des Bundesdenkmalamtes reicht von einer beratenden Servicestelle in denkmalpflegerischen Belangen bis zur Behördenfunktion als nachgeordnete Dienststelle des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, womit unter anderem die Durchführung von Unterschutzstellungen, die Erstellung von Veränderungsbescheiden bei denkmalgeschützten Objekten und die Wahrnehmung der Ausfuhr-Angelegenheiten in Zusammenhang mit beweglichem Kulturgut verbunden ist.
Wesentliche Tätigkeitsbereiche des Bundesdenkmalamtes sind aber auch die Restaurierwerkstätten im Arsenal einschließlich eines naturwissenschaftlichen Labors und die Restaurierwerkstätte Baudenkmalpflege in der ehemaligen Kartause Mauerbach, deren Umfang und wichtige Funktion als Schnittstelle zu DenkmaleigentümerInnen, Museen und zu den Kunstuniversitäten als Ausbildungsstätten von RestauratorInnen der Öffentlichkeit nahe gebracht werden sollen.
Schließlich wollen wir auch der Erforschung des österreichischen Kulturgutbestandes und der Öffentlichkeitsarbeit mit dem publikumswirksamen Tag des Denkmals (jeweils am letzten Sonntag im September) die nötige Aufmerksamkeit schenken. Mit der systematischen flächendeckenden Inventarisierung des österreichischen Kulturgutes, die in der Kunsttopographie und dem Dehio-Handbuch publiziert wird, ist das Bundesdenkmalamt schon seit jeher der Öffentlichkeit und der Fachwelt eine Instanz.
Alle Kolleginnen und Kollegen aus dem Tätigkeitsbereich Denkmalpflege einschließlich der nicht staatlichen Denkmalpflege sind aufgerufen, sich mit Beiträgen jeder Art an den Publikationen und den Tagungen des Verbandes zu beteiligen. Ideen, Vorschläge und Bereitschaft zur Mitarbeit, die zur Stärkung und zum Ansehen der österreichischen KunsthistorikerInnen beitragen, sind immer notwendig und willkommen!
Vorstandsmitglieder:
Renate Holzschuh-Hofer
Hansjörg Weidenhoffer
Kurie Universitäten und Forschungseinrichtungen
Die am 4. November 2011 unterzeichnete Leistungsvereinbarung zwischen dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat de facto eine Kürzung des Budgets der größten und bedeutendsten Forschungseinrichtung Österreichs verursacht. Die entstehende Finanzierungslücke beträgt 10-16 Millionen Euro jährlich und es drohen die Abgaben bzw. Schließung international anerkannter und nachgewiesen exzellenter Forschungseinrichtungen. Dies bedeutet den Verlust von mindestens 300 eigenfinanzierten Vollzeitstellen der ÖAW im Zeitraum 2012-14 durch Abgabe und Schließung von Einrichtungen. Dies wird einen gewaltigen und drastischen Personalabbau zur Folge haben, der beispiellos ist. In keinem anderen Bereich sind Kürzungen dieser Art vorgesehen.
In einem Versuch diese prekäre Situation zu stoppen, hat Christian Balluch am 11. November eine Petition initiiert, welche an das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung in Österreich gerichtet wurde. Die Begründung ist ein Appell an die politisch Verantwortlichen und soll darauf aufmerksam machen, wie dramatisch die Folgen für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft sein würden.
Zu diesen Kürzungen kommen die bereits bestehenden finanziellen Engpässe an den Universitäten, die immer häufiger dazu führen, dass Forschung und Lehre bei der Verteilung der Mittel gegeneinander ausgespielt werden.
Kürzungen im Bereich Wissenschaft sowie Einsparungen bei den Universitäten im Bereich Unterricht und Forschung können Konsequenzen nicht nur für die Unterrichtenden sondern auch für den Nachwuchs haben. Bei den hierzulande schwindenden Förderungsprogrammen ist es absehbar, dass es den höher qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs in die Forschungsbereiche der wesentlich besser subventionierten Nachbarländer ziehen wird.
Wichtig scheint uns in dieser bedrohliche Situation und in diesem Zusammenhang auch ein die Kurien übergreifender Dialog, der der Frage nachgeht, wie KunsthistorikerInnen direkt davon betroffen sind.
Die Universität für Angewandte Kunst sowie die Universität für Bildende Kunst sind mit ihren Instituten für Kunstgeschichte und Forschung genauso betroffen wie die Universität Wien, Graz, Salzburg, Innsbruck, Linz und weitere Institutionen, welche KunsthistorikerInnen in Österreich ausbilden. Es wäre wünschenswert, dass wir alle zusammenarbeiten, sodass ein stärkerer Zusammenhalt zwischen den diversen Universitäten entsteht und wir dazu beitragen, die Zerstörung der ÖAW und somit des Wissenschaftsstandorts Österreich verhindern.
Vorstandsmitglieder:
Gretchen Simms
Markus Neuwirth
Kurie Studierende
Krise ist gegenwärtig wohl das am häufigsten verwendete Wort zur Beschreibung zeitgenössischer gesellschaftlicher Phänomene: Wirtschaftskrise, Finanzkrise, aber auch Bildungs- und Hochschulkrise. In den letzten Jahren wurde die prekäre Situation an den Universitäten immer offensichtlicher. Die zunehmend kritische Haltung und gesteigerte Unzufriedenheit der Studierenden kamen in den groß angelegten Studierendenprotesten im Herbst 2009 zum Ausdruck. Doch bis heute lassen nennenswerte Verbesserungen auf sich warten. Bekannt ist, dass insbesondere geisteswissenschaftliche Studien von Kürzungen und Legitimationszwängen betroffen sind, nicht zuletzt, da ihr Beitrag zur (ökonomischen) Prosperität einer Gesellschaft auf dem ersten Blick nicht ersichtlich ist. Lernen und Lehren findet folglich auch in der kunsthistorischen Disziplin unter erschwerten Bedingungen statt. Zusammen mit den fragwürdigen Neuerungen des durch Bologna verpflichtenden Bachelor-Master-Systems bleiben zentrale Momente der Wissens- und Methodenvermittlung aus. Die Frage ist, ob diese Krise auch einen Wendepunkt darstellen wird. Kunstgeschichte, quo vadis?
Als VertreterInnen der Studierendenkurie sehen wir es als unsere Aufgabe innerhalb der kunsthistorischen Lehre, problematische Verhältnisse wahrzunehmen und mögliche Zukunftsperspektiven zur Diskussion zu stellen. Daher verstehen wir uns als Sammelpunkt für Vorschläge und Sorgen der Studierenden. Um dies umsetzen zu können, wird es nötig sein, ein großes Versäumnis nachzuholen: Dem Namen des Verbandes entsprechend wollen wir versuchen, alle österreichischen Kunstgeschichte-Studierenden zu erreichen und somit der Fokussierung auf unser eigenes Institut in Wien entgegenzuwirken. Möglichkeiten der Kommunikation und des Austausches zwischen den Instituten in Graz, Innsbruck, Salzburg, Linz und Wien sollen in Betracht gezogen und umgesetzt werden. Das Ziel wäre eine funktionierende, bundesweite, im Verband implementierte Plattform als Trägerin für wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Austausch unter Studierenden. Sowohl für den Verband selbst als auch für die (Aus-)Bildung zukünftiger KunsthistorikerInnen würde dies eine große Bereicherung darstellen.
Unser Ziel ist es also, Austausch anzuregen respektive zu ermöglichen: In diesem Dialog sollen sowohl die Pluralität der Zugänge zu unserem Fach als auch die Vielfalt der Erfahrungen der Studierenden ihren Widerhall finden. Im Idealfall beschränkt sich dieser Diskurs nicht nur auf diejenigen, die sich noch in Ausbildung befinden, sondern schließt auch bereits berufstätige KunsthistorikerInnen aus verschiedenen Fachbereichen mit ein. Dies kann durch unterschiedliche Projekte realisiert werden. So möchten wir beispielsweise versuchen, den Kunsthistorischen Studierenden Kongress (KSK) wieder nach Österreich zu bringen. Außerdem kann die Verbandszeitung genutzt werden, um studentische Belange stärker in die Öffentlichkeit zu tragen.
In den kommenden zwei Jahren sollen sich Studierende ermutigt fühlen, mit uns Strukturen des Austausches aufzubauen und aktiv an diesen teilzunehmen. Der Krise der kunsthistorischen Disziplin und ihrer Rahmenbedingungen möchten wir neue, begehbare Wege entgegenstellen, von denen Studierende und damit die Zukunft unseres Faches profitieren können.
Vorstandsmitglieder:
Barbara Praher
Simon Hemetsberger
Petra Schönfelder (Stv.)
NEUESTE INFOS
Räume der Kunstgeschichte MAK Wien, 8. bis 10. November 2013 ···
all-over | Magazin für Kunst und Ästhetik, Ausgabe Nr. 5 Einreichfrist: 15. Juli 2013 ···
Relaunch! Neustart der Webpage ···
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