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XXXV. Deutscher Kunsthistorikertag in Göttingen

Zu den Dingen!

Die Beschäftigung mit Objekten in den Geistes- und Kulturwissenschaften ist eine der großen Herausforderungen des 21. Jahr­hunderts. Zahlreiche Fächer haben die „Dinge“ entdeckt, um neue Fragen und Gegenstandsbereiche zu erschließen. Die Kunst­geschichte spielt in der aktuellen Diskussion um die Dinge eine zentrale Rolle: Traditionell hatte sie schon immer mit Objekten zu tun, seien es Gemälde, Statuen, Gebäude oder Gegenstände des Kunsthandwerks; die bild­wissen­schaftliche Wende hat den Gegenstandsbereich des Faches jedoch ausgedehnt und ihn für Objekte der Populär- und Alltagskultur, der religiösen Praxis und für die Dinge in den Wissenschaften geöffnet. Kunstgeschichte ist heute auf breiter Ebene auch Wissens­geschichte, indem sie die Objekte in ihren epistemischen Zusammenhängen untersucht und erneut zur Diskussion stellt. Zuletzt haben die jüngsten Debatten um Prove­nienz und Restitution die konkreten Dinge mit ihren objekt­bio­graphischen Spuren auch in den Fokus von Öffentlichkeit und Politik gerückt.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung soll der Kunsthistorikertag erörtern, welche weiteren und langfristigen Perspektiven das Thema für die Kunstgeschichte bietet. Im Zentrum steht die Frage nach der Materialität von Erkenntnis und nach dem epistemischen Potenzial des Artefakts: als Träger von Wissen und Geschichte(n), Handlungs­optionen und sozialen Bezie­hungen, als Grenzgänger zwischen Kulturen und Disziplinen, als biographische Spur seines Schöpfers und seiner selbst, aber auch als Herausforderung an bisherige Theorie­debatten. Welche Fragen, Praktiken und Lektüren machen kunsthistorische Artefakte zu „Wissens­dingen“? Welches Wissen speichern, materialisieren und ermöglichen sie, wie leiten und modellieren sie Wahrnehmung, Denken und Handeln? Wie verhält sich die materielle Dimension des Wissens zu seiner ästhetischen und figurativen? Und wie verändert die Perspektive auf das Wissen der Objekte den Gegenstandsbereich der Kunstgeschichte und ihr Verhältnis zu anderen Disziplinen?

Die Aufklärungs­universität Göttingen ist ein idealer Standort für diese Auseinander­setzung: Ihre historischen Sammlungen förderten die Entstehung eigener akademischer Disziplinen, sichtbar in den weltweit ältesten Lehrstühlen für Archäologie, Kunstgeschichte und Ethnologie. Aktuell widmet sie sich mit dem Projekt eines „Forums Wissen“ intensiv der wissen­schafts­historischen Aufarbeitung von Dingen im menschlichen Erkenntnis­prozess. Die „Materialität des Wissens“ ist ein erklärter Schwerpunkt an der Universität.

Die Sektionen gehen dem „Wissen der Objekte“ in historischer und systematischer Breite nach, unabhängig von traditionellen Grenzziehungen zwischen Disziplinen, Gattungen, Institutionen, Berufssparten oder nationalen Foren. Die Sektionen umfassen dabei verschiedene historische Schichtungen aus allen Bereichen der Kunstgeschichte von der Eiszeitkunst bis zur Gegenwart.

Neben einer expliziten inhaltlichen Ausrichtung sollen die Sektionen möglichst breit die aktuellen wissen­schaftlichen Diskurse der verschiedenen kunsthistorischen Berufsgruppen (am Museum, im Bereich des Denkmalschutzes, der Hochschulen und Forschungs­institutionen und der freien Berufe) abbilden, aber auch zum Austausch zwischen Institutionen und Netzwerken und deren Akteurinnen und Akteuren beitragen. Die Programm­sektionen belegen dabei anschaulich, wie die Ausrichtung auf das Objekt exemplarische ebenso wie übergreifende Fragen aufwerfen wird: In den Mittelpunkt der Diskussion werden dabei etwa Auswirkungen und Möglichkeiten der Digitalisierung auf den Umgang mit Objekten gestellt, ebenso Fragen der Provenienz- sowie der Kunst­markt­forschung. An verschiedenen Objektgruppen – dem Buch als Wissens­kondensat, dem Architekturmodell als Diskursform von Herrschaft, Kirchenkunst als Zeugen konfessionellen Wandels – wird dem „Wissen der Objekte“ nachgegangen. Der Vorstand des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e. V. und das Kunst­ge­schichtliche Seminar der Georg-August-Universität Göttingen möchten aus diesem Grund die verschiedenen kunsthistorischen Berufsgruppen für eine intensive Diskussion auf dem XXXV. Deutschen Kunsthistorikertag gewinnen. Entsprechend wurden solche Sektionen ausgewählt, die kunsthistorisch für die Fragestellung relevante Kontexte neu in den Blick nehmen.

Nach der Sektionsausschreibung im Herbst 2017 sind nun interessierte Kolleginnen und Kollegen herzlich dazu aufgefordert, der Geschäftsstelle des Verbandes ihre Vorschläge für Einzelvorträge in den unten genannten Sektionen, den Sitzungen der Berufsgruppen sowie den Sitzungen der Arbeitskreise des Verbandes zu senden. Eine Bewerbung ist ausschließlich über das Online-Bewerbungsportal der Kongress-Homepage möglich.

Für jeden Vortragsvorschlag kann über das Bewerbungsformular ein Exposé von maximal 2.500 Zeichen (inkl. Leerzeichen) eingereicht werden. Von den Autorinnen und Autoren wird ebenso die Eingabe einer tabellarischen Kurzbiographie von maximal 10 Zeilen erbeten. Ergänzend können je bis zu fünf Forschungsschwerpunkte und Publikationstitel angegeben werden.

Die Auswahl der Vorschläge für die Sektionen (pro Sektion fünf 30‑minütige Vorträge) und Sitzungen der Berufsgruppen (je zwei 30‑minütige Vorträge in drei der vier Berufsgruppen) nehmen die Sektions­leiterinnen und Sektions­leiter sowie die Vorstands­mitglieder und das Ortskomitee in einer gemeinsamen Sitzung vor. Von den ausgewählten Referentinnen und Referenten der Sektionen und Berufsgruppen wird erwartet, dass sie – sofern eine kunsthistorische Ausbildung vorliegt und sie im Inland ansässig sind – spätestens zu Beginn des Kongressjahres Mitglieder des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker sind.

Die Begutachtung und Auswahl der Vorschläge der beiden Arbeitskreise (zwei bzw. vier 20-minütige Vorträge) nehmen die Leiterinnen und Leiter der Arbeitskreise selbständig vor.

Auf eine Neuerung bei der Organisation der Foren möchten wir besonders aufmerksam machen: Aufgrund der in den vergangenen Jahren stets gestiegenen Zahl der Foren und der noch immer kontinuierlich anwachsenden Nachfrage werden erstmals auch kurze Bewerbungen in Form von Konzeptpapieren für die Ausrichtung eines Forums erbeten. Verbands­mitglieder mit Interesse an der Leitung eines Forums sind herzlich dazu eingeladen, ein Exposé (1–2 Seiten als PDF-Datei) per E-Mail an die Geschäftsstelle des Verbandes zu senden. Sofern die Zahl der eingereichten Bewerbungen die Zahl der möglichen Zeitfenster zur Austragung von Foren überschreitet, werden die Vorstands­mitglieder eine Auswahl treffen.

Rückfragen zur Bewerbung richten Sie bitte an die Geschäfts­stelle des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e. V. in Bonn (E‑Mail: info@kunsthistoriker.org).

Einsendeschluss für alle Bewerbungen ist der 25. Mai 2018, 18:00 Uhr.